Montagsnächte-Trilogie 2
Ein anderes Land? Solche Experimente sind doch sinnlos. Das hier, das funktioniert, das sehe ich jeden Tag. Auch wenn es Nachteile hat. Aber wenn ich dran denke, wie es vor einem Jahr war. Grau und dunkel und still. Nichts hat sich bewegt. Wie unter einer Käseglocke. Man konnte nur ausbrechen oder verschimmeln. Ich bin ausgebrochen. Ania auch. Auf ihre Weise eben. Jeder von uns ist auf seine Weise mit all dem umgegangen.
(Suse, Sonntag, 18. März 1990)
Als Montagsdemonstrantin der ersten Stunde fällt es der 19jährigen Ania schwer, ihren Traum von einer anderen DDR aufzugeben. In einer Wohngemeinschaft in Leipzig-Connewitz lebt sie mit Sascha, dem russischen Maler, und Alex, dem Westberliner Journalisten, ihren Traum von einer offenen Beziehung. Doch sie kann ihre große Liebe Bernd nicht vergessen.
Auch Anias Schwester Brit und ihre Freundin Suse finden in dem verfallenen und besetzten Haus im Leipziger Montmartre ein neues Zuhause. Aber ihre Gemeinschaft ist fragiler, als sie glauben: Überfälle von Neonazis und das Doppelleben eines der Mitbewohner bedrohen das friedliche Zusammenleben.
Ankommen? Wenn ja, wo? Gehen? Wenn ja, wohin? Alles ist offen. So vieles scheint möglich. Verheißung, Chaos, Last: Was ist Freiheit eigentlich?
Kathrin Wildenberger setzt nach „Montagsnächte“ in ihrem zweiten Roman die Geschichte um Ania, Brit und Suse fort, die nun im „ZwischenLand“ des Sommers 1990 ihr Leben träumen und ihre Träume leben.
Verlag duotincta 2018
ISBN 978-3-946086-28-4
17,00 Euro

Stimmen zum Buch
In ZwischenLand erzählt Kathrin Wildenberger von einer Zeit, in der Träume entstehen und sterben, Hoffnungen ebenso schnell wachsen wie Ängste vor all dem, was die Zukunft mit sich bringen wird. Sie erzählt von einer Zeit, in der eben noch gefeierte Revolutionäre plötzlich mit leeren Händen dastanden. Sie erzählt von Liebe und Enttäuschung, von Vertrauen und Verrat. Lässt uns teilhaben am politischen Geschehen einer Zeit, die längst vergangen ist und doch Leben prägte.
Kathrin Wildenberger gelingt, was selbst einem Dokumentarfilm nur schwer gelingt: Über Ania, Brit, Suse, Alex, Sascha, Wolfgang und all die anderen haben wir die Möglichkeit, uns zu identifizieren und 341 Seiten lang gemeinsam mit ihnen diese Zeit zu erleben, und mit all ihren Widersprüchlichkeiten zu erfühlen.
…Auch wenn die Protagonistinnen und Akteure dieses Romans Jugendliche sind, ist dieses Buch weit mehr als ein Entwicklungsroman. Es ist eine Art fiktives Zeitzeugnis einer Generation, die das alles erlebte, für die das alles real war und die doch noch jung genug war, diese Veränderungen nicht als Bruch der eigenen Biografie zu erleben, sondern die sich als Teil der Veränderung verstehen konnte. Das alles war furchtbar ernst, aber es war gleichzeitig auch ein großes Abenteuer und es ist nur ein Stück der eigenen Biografie auf dem Weg ins Erwachsenenleben.
Sylvia Tornau auf Tatmoor.de im Juli 2018
www.sylvia-tornau.de/zwischenland/
Kathrin Wildenberger gehört zu der Generation junger Frauen, die mit Maxi Wander aufgewachsen sind. Und den Anspruch lässt sie auch dieses Buch durchziehen. Es geht nicht wirklich um Freiheit, auch wenn es der Klappentext suggeriert, und nicht nur die drei Heldinnen suchen den richtigen Weg zu einem Leben, zu dem sie sich bekennen können. Es geht vielmehr um ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Leben. Das durchzieht alle drei Lebensläufe in diesem Sommer. Und nicht nur die. Es geht um Offenheit und Ehrlichkeit – und auch darum, dass das nicht vor tiefer Verletztheit und Enttäuschung bewahrt. Wie im richtigen Leben eben. Und das ist wohl das Schönste: Es sind richtige, lebendige Frauen, die Wildenberger agieren lässt, offen für alles, was auf sie zukommt, resolut in ihren Entschlüssen und genauso verwirrt wie unsereins, wenn die Dinge sich doch nicht wie erwartet entwickeln.
Ralf Julke, Leipziger Internetzeitung, April 2018
www.l-iz.de/bildung/buecher/2018/04/Mit-Zwischenland-laesst-Kathrin-Wildenberger-den-intensiven-Sommer-1990-wieder-erstehen-213483
Die Charaktere sind alle drei liebevoll gezeichnet. Frauenpower. Ich würde gern mit allen drei Damen befreundet sein. Danke. (…) In unsere Zeit des Feminismus und #metoo passt dieses Buch perfekt hinein. Drei Frauen, die einfach nur ihr Ding machen wollen. That’s it.
Tina Thiele auf commicatio.com im März 2018
www.commigratio.com/2018/03/24/kathrin-wildenberger-zwischenland/
Kathrin Wildenbergers neuer Roman ist mitreißend von der ersten Zeile an. Endlich haben die Menschen in Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer die Freiheit erlangt, nach der sich viele so lange sehnten. Wie geht jede einzelne mit dieser Freiheit um? Wie ist die Stimmung zwischen den Menschen? Manche trauern der alten Zeit nach, andere wünschen sich zwei eigenständige Deutschlands, andere wollen einfach nur weg. Das sind Fragen, die auch zwischen Paaren stehen. Sie werden zur Bewährungsprobe. Es ist ganz großes Kino: Wie ginge es jedem einzelnen von uns, wenn maßgebliche geschichtliche Veränderungen um uns herum tosen?
Kathrin Wildenberger beschreibt in ihrer feinen, auf Details achtenden Sprache die große politische Lage ebenso wie bewegende menschliche Empfindungen.
Zwischenland macht die Zeit in Leipzig 1990 so greifbar, als wäre man selbst dabei gewesen. Sehr lesenswert.
Christina Zech auf Lovelybooks im März 2018